Hygieneinfo- und Beurteilungsbogen für Patienten
Ein neuer Modellgedanke zur Verbesserung der Hygienequalität
im Gesundheitswesen.
Unsere Erfahrung hat gezeigt,
daß die Änderung der hygienischen Situation in einer
Gesundheitseinrichtung am
nachdrücklichsten durch den Patienten selber gesteuert
werden kann. Hat der Patient
eine einigermaßen klare Vorstellung von den Hygienetechniken,
kann er in der Zeit seiner
Behandlung viele Beobachtungen aus einer dem
Krankenhauspersonal verwehrten
Stellung heraus durchführen. Der Patient ist durch
seine persönliche Betroffenheit
in der Lage, die Hygiene an ganz bestimmte Situationen
zu messen, was dem Personal
( Kontrollperson ) weitgehend unmöglich ist.
Als Beispiel kann hier
folgendes angeführt werden:
- Infiziert eine Wunde nach
dem Krankenhausaufenthalt, so ist das Krankenhaus meistens
nicht darüber
informiert. Der Patient selber weiß um diese Sache und kann die Verbindung
zu
seiner Operation
leicht knüpfen.
- Wird im Patientenzimmer
nur ungenügend oder nicht gewischt, dann bekommt die Station
diesen Sachverhalt
nicht immer mit. Der Patient bezieht die Reinigung in seinen
Tagesablauf mit ein
und kann die Situation besser beurteilen.
- Ist das Essen nicht warm
oder kalt genug ist der Patient selber betroffen und kann reagieren.
- Ob die Hautdesinfektion
vor einer Injektion durchgeführt wird und mit welcher Technik
bleibt dem Patienten
nicht unbekannt.
- Wird eine Hygienetechnik
unterschiedlich durchgeführt, ist der Patient in der Lage diesen
Sachverhalt zu vergleichen.
Aus diesen Gründen heraus
entwickelte sich die Idee für den Patienten einen Beurteilungs- Infobogen
zur Hygiene zu konstruieren. Dieses Instrument wird die Patienten über
die wichtigsten Hygieneregeln aufklären und gib ihnen die Möglichkeit
eine Mängelmeldung an die zuständige Stelle zu senden. Der Infobogen
soll nur einfache und kurze Hygieneinformationen enthalten, die weiter
mit Literaturempfehlungen gespickt sein sollen. Über diesen Meldebogen
sollen die Mängel so einfach wie möglich zu beschreiben sein.
Hier eignet sich ein Ankreuzbogen zu den einzelnen Themen.
- Speisenversorgung - Händedesinfektion
- Hautdesinfektion - Reinigung - Blasenkatheter
- VW - Dränagen - Infusionen
- Injektionen - Rasur vor OP - Sondenkost - PEG Sonde
- Sterilmaterial - usw.
Dieser Hygienebogen kann
dann an eine Kontaktdresse im Haus gesendet werden und wird hier bearbeitet
/ ausgewertet.
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Hier nun einige Beispiele
für ein Hygieneinfoblatt
- Speisenversorgung
Warmspeisen beim servieren
min 65 C°
Kaltspeisen möglichst
ca. 8 C°
Transport der Speisen in
geschlossenen Transportwagen
Besteck und Geschirr ohne
Chemieflecken und Schmutz
- Händedesinfektion
muß durchgeführt
werden vor und nach VW, Dränagewechsel, Blasenkatheterlegen, Kanüle
in ein Blutgefäß legen, Punktionen.
- Hautdesinfektion
vor Injektionen, Punktionen,
Wundversorgung
Einwirkzeiten zwischen 0,5
und 10 Minuten. (abhängig vom Ort des Eigriffes und Präparate
abhängig ) Info steht
auf dem Produktbehälter.
- Reinigung
Der Reinigungsplan muß
der Reinigungskraft bekannt sein. Dieser Plan dient der
Arbeitsanleitung und kann
eingesehen werden.
- Blasenkatheter
Die Technik des Blasenkatheterismus
muß in einem Standard aufgeschrieben sein.
Händedesinfektion ist
hier die wichtigste Hygienemaßnahme.
Dränagesysteme (Beutel/Katheter)
dürfen nicht routinemäßig getrennt werden.
Blasenspülungen nur
nach strengen Anordnung. (z.B. bei Blasenblutungen) Keine unbegründeten
Antibiotikagaben (Ausnahme - gesicherte Infektionen).
Bei Langzeitkatheter muß
der Urin in bestimmten Abständen Bakteriologisch untersucht werden.
Der Katheterwechsel bei Langzeitliegedauer muß im Standard beschrieben
sein.
- VW - Dränagen
Die Technik des Verband-
Dränagewechsels muß in einem Standard aufgeschrieben sein. Hiernach
ist zu verfahren. Händedesinfektion ist hier die wichtigste Hygienemaßnahme.
Sterile Instrumente verwenden.
Steriles Verbandmaterial als Wundauflage auch bei infizierten Wunden einsetzen.
Handschuhe müssen getragen werden. Wunde nicht mit unsterilen Handschuhen
bzw. Händen berühren (Sterile Instrumente oder sterile Handschuhe
hierzu einsetzen).
- Infusionen
Die Zubereitung der Infusion
darf max. 1 Std. vor dem Anlegen der Flasche durchgeführt werden.
Die Infusionssysteme müssen auf der Krankenstation alle 72 Std. komplett
gewechselt werden. In Risikobereiche (Intensiv) alle 24 Std. Steriler Verbandwechsel
der Infusionskanüle min. alle 72 Std. (Kontrolle des Verbandes täglich
). Liegedauer einer Venenkanüle möglichst nicht länger als
3 Tage. Keine Kanülen zur Entlüftung in die Infusionsflasche
stecken. Vor Arbeiten am Infusionssystem unbedingt Händedesinfektion.
- Injektionen
Vor Injektion - Haut- Händedesinfektion
(Einwirkzeit einhalten). Die Technik der Injektion muß in einem Standard
aufgeschrieben sein. Die Zubereitung der Injektion darf max. 1 Std. vor
Gabe durchgeführt werden. Die Injektionskanüle darf nicht zum
Aufziehen der Medikamente genutzt worden sein. Die durchführende Person
muß die Berechtigung für diese Maßnahme besitzen.
- Inhalationen/Sauerstoffbefeuchtung
Standardisiertes Vorgehen
erforderlich (Hygieneplan). Es sind möglichst Einmalinhalations-
und Befeuchtungssysteme einzusetzen. Die Wechselintervalle müssen
festgelegt sein. Atemluftanfeuchtung nur in bestimmten Fällen erforderlich.
Sauerstoffbefeuchtung nur bei Langzeitgabe. Mehrfach verwendbare Systeme
min. alle 24 gegen aufbereitetes System wechseln. Hier nur steriles Wasser
einsetzen.
- Rasur vor OP
Die Haarentfernung muß
am OP-Tag durchgeführt werden. Blutungen bzw. kleine Hautverletzungen
sind hier zu vermeiden. Ein Trockenschnitt mit Messerrasierer nicht durchführen
lassen, sondern nur mit Schaum. Einmalrasierer müssen verwendet werden.
- Sondenkost
Möglichst Industriefertignahrung
verwenden. Nahrungsschläuche alle 24 Std. wechseln. Nach Nahrungsgabe
die Ernährungssonde mit Wasser (Trinkwasserqualität) durch spülen.
- Sterilmaterial
Sterilmateriallager DIN-Norm
muß bekannt sein. Offene Sterilamateriallagerung (Eimal -verpackung
auf dem Regal) ist zu vermeiden. Schrank oder Umkarton verwenden.
- Bettwäsche
Die Bettwäsche muß
routinemäßig min 1 x in der Woche komplett gewechselt werden.
Bei Verschmutzung häufiger. Kontakt von sauberer und Schmutzwäsche
nicht erlaubt. Beim Betten ist vom Personal ein Schutzkittel zu tragen.
Händedesinfektion zwischen zwei Patientenbetten sollte durchgeführt
werden. Erst die Betten der nicht infizierten Patienten machen, anschließend
die Betten der Infizierten.
- Schutzkleidung
Das Personal hat Schutzkleidung
zu tragen, wenn Keime gestreut werden können. (infizierter Patient).
Ebenso ist Schutzkleidung zu tragen wenn ein Patient vor Infektionen vermehrt
geschützt werden muß (Leukämie - Immunanfälliger Patient).
- Nachbarpatient
Wenn Sie als Patient besonders
infektionsanfällig sind, dürfen Sie z.B. nicht mit einem Patienten
in einem Zimmer liegen, der Keime streut, die Ihnen gefährlich werden
können. Beispiel: Sie lassen sich an der Schilddrüse operieren
und der Nachbarpatient hat eine infizierte Wunde. Ihre Immunabwehr ist
gesenkt worden (Leukämie) und der Nachbarpatient streut für Sie
gefährliche Keime.
- Verantwortung für
Hygiene
Der ärztliche Direktor
im Krankenhaus ist der oberste Ansprechpartner in Hygienefragen. Diese
Person trägt die Hauptverantwortung für Hygiene. Der hygienebeauftragte
Arzt ist ihm unterstellt und erledigt die meisten Aufgaben für die
Hygiene. Jeder Mitarbeiter im Gesundheitswesen ist persönlich für
sein hygienisches Handeln mitverantwortlich.
- Hygienefachkraft
Die Hygieneorganisation
muß geregelt sein. Eine Hygienefachkraft muß abhängig
von der Zusammensetzung des Hauses und der Bettenzahlen angestellt sein.
Diese Fachkraft setzt die Beschlüsse der Hygienekommission um und
arbeitet an der Verbesserung der hygienischen Situation im Krankenhaus.
- Hygienekommission
Eine Hygienekommission muß
in jedem Haus in bestimmten Abständen die Hygieneorganisation regeln.
- Hygieneplan
Jedes Haus muß einen
Hygieneplan erstellt haben. Dieser liegt auf jeder Station aus. Der Hygieneplan
beschreibt alle hygienischen Gegebenheiten und Handlungsanweisungen.
- Richtlinien/Gesetze
für Hygiene in der BRD
In jedem Krankenhaus muß
die Richtlinie für Hygiene vom Robert Koch Institut vorhanden sein.
Hier stehen umfassende Informationen über alle Hygienebereiche zur
Verfügung.
Die Unfallverhütungsvorschrift
- Gesundheitsdienst regelt einige Bereiche der Hygiene mit handfesten Gesetzen.
Einige Bundesländer haben eine Krankenhaushygieneverordnung, die eingehalten
werden muß.
- Ansprechpartner
Bei offensichtlichen Hygienefehlern
sprechen Sie zuerst mit dem behandelnden Arzt darüber. Ist dieses
aus unterschiedlichste Gründen nicht möglich, benachrichtigen
Sie die Hygieneorganisation im Haus ( Ärztlicher Direktor, Hygienefachkraft
).Um
Ihnen die Meldung der Hygieneverfehlung so einfach wie möglich zu
machen, können Sie den Meldebogen auch direkt ausfüllen und an
die zuständigen Stellen schicken.